Warum Plagiate für den Journalismus Plagen sind

März 1, 2011

Vorgeplänkel:
Ein halbes Jahr hab ich hier nichts mehr gepostet, das sei, mal freundlich gesagt, meiner allgemeinen Zeitknappheit und der schnell-verführerischen Kommunikationsbox Facebook geschuldet.
Doch ein aktueller Anlass – Rudi Raschkes Kistlergate-Böller, den er vergangene Woche krachen ließ – ließ mich doch mal wieder aktiv werden.

Wer nicht im Thema „Abschreiben bei der Badischen Zeitung“ drin ist: Ich kann allen Journalismus-Interessierten die Lektüre von Rudi Raschkes Blog empfehlen: Lesen!

Oberflächlich gehts hier um ein, zwei, drei, viele Abschreibereien einer Ex-Kollegin. 2007 hatte sie sich bereits bei einem vielbeachteten Text von SZ-Autorin Cathrin Kahlweit hübsch bedient, diese protestierte, nichts geschah. Jetzt wieder.
Nun die Reaktionen: ein peinlich berührter BZ-Chefredakteur Thomas Hauser in einer Flucht nach vorne (also auch in der eigenen Printausgabe, wie auch inzwischen in der digitalen), zahlreiche Kommentare bei Facebook, die meist empört um Aufklärung baten. Die BZ-Kollegen hielten sich (verständlicherweise) im Hintergrund, einige schickten Mails, die Fremdschämen, ein bisschen Erstaunen und den Wunsch um Aufklärung ausdrückten – keine Schadenfreude.
Aber auch ein Post, der um Mäßigung warb, und unterschwellig eine persönliche Animosität gegenüber der Kollegin unterstellte. Das möchte ich in aller Deutlichkeit zurückweisen, und spreche dabei auch für den Ex-Kollegen Raschke.
Inzwischen wurde der Fall auch vom Ex-Handelsblatt und Crossmedialist Thomas Knüwer in seinem Blog kommentiert unter dem Titel ‚Eine kleine Dosis Mitleid für die Guttenbergerin der “Badischen Zeitung”‘.
Eine Analyse, in der er unter anderem Zeit- und Geldknappheit in den Redaktionen als wesentliche Ursache solcher Guttenbergereien sieht. Und Platzmangel im Blatt. Sowie ein wenig Mißgunst. Insgesamt eine sehr gute Beschreibung der heutigen Situation der Printmedien, jedoch ist mir ein kleines bisschen zu viel Verständnisheimerei drin.
(Auch wenn’s stimmt, verdammt nochmal: Gutes Zeug kostet gutes Geld!!)
Hier drei (korrekte) Zitate von Thomas Knüwers Text:

„In Zeiten, da merkwürdige und wenig seriöse Zitat-Rankings als Marketing-Instrument verwendet werden, hängt auch ihr Stand von Zitaten ab. Also machen sie Druck.“

„Wo sollen sie aber herkommen, die exklusiven Informationen, die das Abschreiben unnötig machen würden? Die Reiseetats werden immer stärker gekürzt – zum Recherchieren kommen viele Journalisten nur noch notfalls raus. Gleichzeitig bleibt immer weniger Zeit: Die Redaktionen sind zusammengekürzt, die Online-Angebote müssen bedient werden. “

„Auch der redigierende Produktionskollege streicht bei Platzmangel lieber die scheinbar unwichtige Quellenangabe. Außerdem: Warum soll man den Feind, also einem anderen Print-Produkt, ein solches Lob zukommen lassen?“

Natürlich ist die Blattmacherei nicht leichter geworden. Aber ich kann mich nicht entsinnen, eine Rüge von einem Vorgesetzten bekommen zu haben, wenn ich ein „Zeit“-Zitat verwendete. Im Gegenteil: Die Berufung auf Großkatzen im Gehege gab einem Argument durchaus Urteilskraft.
Es ist auch richtig, dass schon immer abgepinselt wurde – aber das macht es nicht besser. Nur: Heute muss man schon ziemlich naiv sein, zu glauben, dass nur selbiges in den Zeiten des Internets leichter geworden ist. Auch der Nachweis ist einfacher als früher.
Es ist völlig legitim und nützlich, sich bei einem Thema inhaltlich durch die Lektüre bereits erschienener Texte schlau zu machen. Und dann auch einen Gedanken in eigenen Worten wiederzugeben: Das hat selbst in der deutschen Wissenschaftstheorie Tradition. Ab einem gewissen Punkt sollte man aber dann schon mal fairerweise auf die Quelle hinweisen. Soviel Zeit muss sein – ich kenne niemanden, der aufgrund der erhöhten Schlagzahl in seiner Redaktion bzw. durch geschrumpfte Reiseetats gezwungen war, ganze Absätze wörtlich zu kopieren. (Gibt ja auch Telefon & Mail, oder?).
Schon gar nicht, wenn man in der durchaus privilegierten Position eines Seite-3-Redakteurs ist.

Wie gesagt, es geht hier nicht um eine Formulierung oder einen Satz: Sondern um ganze Absätze.
Leider hat Knüwer recht, dass dies kein Einzelfall ist. Erst vor zwei Wochen saß ich mit einem Kollegen voller Unglauben vor einem Feature aus der Springer-Wochenendpresse, welches genüßlich den Fall und Aufstieg der russischen Stümperspionin Anna Chapman darlegte. Und der Urheber sich dabei schamlos und absatzweise aus einem Spiegel-Stück vom Winter 2010 bediente.
Das geht einfach nicht. Auch in miesen Zeiten nicht.
Kein Journalist tut durch Abschreiben seinem Blatt, das sich in den Zeiten sinkender Auflagen mit Qualitätsjournalismus profilieren möchte, einen Gefallen. Es fliegt auf, garantiert! Und die Glaubwürdigkeit ist beschädigt. Und der Leser (der ja gar nicht so blöd ist, wie viele denken) wird ebenfalls getäuscht: Man setzt ihm einen vermeintlichen Mehrwert vor, für den er bezahlt. Dass man Kollegen um die Geistesleistung bestiehlt, steht ausser Frage.
Darum tue ich mich so schwer mit dem Unter-den-Teppichkehren, dem Zum-Kavaliersdelikt-Erklären, auch ein Naserümpfen-über-vermeintliches-Denunziantentum kann ich nicht akzeptieren.
Wenn wir in diesen Zeiten mit Journalismus Erfolg haben wollen, muss dieser hochwertig und ehrlich sein. Das gilt nicht nur für Minister.

How to blame a Plag

Februar 23, 2011

Ich bin jetzt ein paar Mal gefragt worden, wie das geht, Plagiate in einem Text finden.
Kinderleicht, das kann jeder (und sollte jeder mal ausprobieren!!!):

1. Sucht einen verdächtigen Text nach runden, originellen Formulierungen ab. Nicht zu lange Sätze.
2. Gebt ihn bei Google ein.
3. Fischt die in Frage kommenden Quelltexte raus, und untersucht sie auf weitere Parallelen.

Fertig!

Ach ja, wer noch nicht weiß, worum es geht: Lesen!

Ich wühl im Vinyl

Juni 17, 2010

Letzten Herbst saß ich vor meiner alten Plattenkiste und dachte nach. All die schönen Platten, irgendwas um die 300 Stück. Meine ganze Jugend, gepresst in (überwiegend schwarzes) Vinyl! Wenn ich mich recht erinnere, war die erste Platte, die ich mir kaufte, von J. J. Cale, und die letzte ein Doppelalbum von den Beastie Boys ( „Check your head“, glaub ich, na, da wo sie halt richtige Instrumente spielen) Oder war’s eine von Hery Rollins?.
Und dieser Schatz ist für mich, als MP3- und CD-User inzwischen nicht mehr zugänglich. Extrem tragisch.
Na denn. Das sollte sich bald ändern.
Ein bisschen Recherche und ein zufälliges Gespräch mit einer Kollegin: EIn Braun-Gerät sollte ins Haus, beschloss der Herr Koarl. Entworfen von Dieter Rams. Aber nicht den klassischen, alten „Schneewittchensarg“. Sondern das feine Audio 2 (Ende 60er Jahre), das das Stereomöbel-Zeitalter à la Max Grundig beendete und das Hifi-Zeitalter einleitete.
Bald darauf hab ich eines dieser hübschen Geräte bei einem jungen Mann aus Neuhausen gegen eine Flasche anständigen Calvados eingetauscht: Ohne Boxen, dafür mit dem so genannten „Känguru-Tisch“. Gewicht: 20 Kilo.

Ist schon recht schick, oder? Von der Seite sieht es so aus:

Der junge Mann wies mich drauf hin, dass ein Kanal nicht ginge. Als ich dann das Gerät angeschlossen hab, ging dann leider gar nix.
Endstufen-Sicherungen ausgetauscht. Das Signal kam in den – mittlerweile für 20 Euro erstandenen original Braun-Boxen – an. Aber flüsterleise. So ein Mist.
Was mich aber schon mal enorm beeindruckte: Ich hab den Kasten aufgemacht, und innen sah er aus, wie gerade erst zusammengebaut. Kein Stäubchen drinne.

Na gut, hier musste ein Profi ran. Der trat in meine Leben, nachdem ich in einer Internet-Anzeige um Hilfe bat. Ein Braun-Freak, der mir in seinem Häuschen in Moosach das Ding tatsächlich reparierte: DIe Elkos (also Kondensatoren) waren ausgetrocknet. Es lief zwar ein bissel kompliziert (ich musste drei Mal hinfahren, weil der Typ jedes Mal irgendwas vergaß). Aber mittlerweile haben wir in der Stube Vinyl-Stereosound.
Knisterknisterknister!
Die Plattenarm-Rückführungsautomatik geht zwar leider nicht, auch bumpert die eine Box ein wenig, aber ich kann wieder eintauchen in das Meer meiner akustischen Musik. Frau Jule gefällts zu meiner Freude auch.
Best Experience letzte Woche: „The Cure: Boys do’t cry“. Sag mal, hättet ihr gedacht, dass die dieses Album schon 1979 rausgebracht haben?? Klingt unglaublich frisch, nicht so überproduziert.

Übrigens: Mittels eines Adapters kann ich jetzt auch meinen EierPod an das Ding anstecken. Aber Platten klingen weitaus interessanter!

Was guckst du?

März 30, 2010

How bizarr: Man kriegt ja so allerhand mit über seine Seite. Was mich aber über meine überaus geschätzten Leser doch etwas erstaunt:

Wer zur Hölle hat über das Suchwort „Melkmaschinen für Menschen“ auf meine Seite gefunden???

Schlimm, was Ihr für Ideen habt, meine Brüder!!

Uwe Wöllners Zwilling (Aus dem Mailaccount eines Büchergustls – Part 2)

März 1, 2010

Unfassbar, was für ein Tag: Die Sonne erreichte gerade mal ihren winterlichen Zenith, und ich habe schon wieder zwei Irre auf dem Desk.
Der eine, ansonsten als Verfasser von seriösen Wirtschaftsanalysen in den großen Wirtschaftsblättern dieses Landes kein Unbekannter, entpuppt sich in einem Fax als hochgradiger Fäkalerotiker, der die Banalität des Bäh!!!s folgendermaßen resümiert (ich erspare dem Leser jetzt mal die tieferen Details, besser so, glaubt mir!):

„Es bleibt das Drama unserer Existenz.“

Der andere klagt mir sein Leid, er habe schon mehrfach Zeitungen und Zeitschriften für eine Rezension seines Schrott-Werks (im Selbstverlag) eine finanzielle Beteiligung angeboten, aber komischerweise lasse sich niemand auf diesen „Marketing-Deal“ ein. Er hat seinem Fax auch gleich eine Pressemitteilung begefügt („Neues Buch sorgt für Mißmut“), in dem er einen (noch stattzufindenden) Skandal beschreibt, der – mindestens! – den Karikaturenstreit übertrumpfen soll.
Für faule Journalisten gleich der Zusatz:

„Diese Pressemitteilung finden Sie für „copy & Paste“ auf http://www.xxxxxx.de“

Ich war neugierig, und hab den Mann dann mal gegoogelt.
Sehr geil! Der Mann ist eine Art Uwe Wöllner-Zwilling. Und zwar so gut, dass ich den Ulmen schon im Verdacht hatte, dass der dahinter steckt. Auf Youtube findet sich eine Autorenlesung von dem Mann, in der er in Wort und Bild aus seinem Wort vorträgt.
(Man beachte die komischen Postits an der Wand!)

Aber seht selbst (Es geht übrigens um Schlüpfrigkeiten im Koran und in der Bibel):

Kochen, bis die Ärzte kommen

Februar 8, 2010

Das ist sie also, die berühmte Rote Gourmet Fraktion. Eine Handvoll Vögel, Rockgenre-gemäß herausgeputzt, Basisfarbe schwarz, hie und da ein Piratentuch. Ein dreckiges Dutzend, das angetreten ist, der Gourmetwelt in Punkmanier die Stirn zu bieten. Mit einer Entourage ebenfalls in schwarz gewandeter, gekont abgerissen erscheinender Begleiter: Ein DeeJott ist dabei, denn man kann ja heute ohne Gedudel nicht mehr gepflegt essen („grouvige Lounge-Beats by Max Mausser„). Ich sehe eine Nickelbrille, wie sie der Zeichner Brösel trägt – so eine hab ich aus nächster Nähe das letzte Mal 1985 bei einer Kifferparty in der Holledau gesehen.
Geladen hat der umsatzstärkste Tabakhersteller in Deutschland, einfach mal so, seinen Geschäftsfreunden zu zeigen: Wir leben auch in Zeiten des Rauchverbots und des Werbeverbots noch. Nun gut.
Ole Plogstedt führt uns in flotten Worten in sein Menu ein: Mit seinem als „Thunder“ deklarierten Zander und dem „Corn at Beef“ (Rindersteak mit Corn Flakes-Kruste auf „mashed Peperpotatoes“) beweist der Mann Sinn für Wortwitz, das ist mal was. Leider verstehen das die meisten nicht, aber das kann man Plogstedt nicht anlasten. Und dann gehts zur Sache.
Der Zander ist auch wirklich schön: zart, aber noch mit Konsistenz. Und die Graupenpampe dazu hat eine interessante Konsistenz, schmeckt auch würzig. Graupen! Will ich auch machen, kenn ich nur aus Geschichten von der Oma.
Nur leider bleibt meiner charmanten Tischdame und mir der Donnerfisch fast im Halse stecken, da der Weisswein mit Abwesenheit glänzt.
Auf der Karte steht er schon, der „Krautwine„: Eine Kooperation von der RGF und Martin Tesch dem Riesling-Wunderknaben von der Nahe: Ich hab den Tropfen kürzlich zu Hause probiert: Kein übler Saufwein, der sich nur marginal von Teschs „Unplugged“ unterscheidet. Die RGF vertreibt den Riesling auch online – mit ein paar Euro draufgeschlagen. Ganz ehrlich: In Sachen Säure fand ich den Namen „Krautwine“ dann doch ganz treffend.
Aber zurück zur Tafel. Die blonden Elfen machten keine Anstalten, und zu trinken zu geben. Murren kam auf. Dabei besagt doch die alte Regel von 1789: „Du kannst gern das Volk hungern lassen, aber lass es nie dürsten!“ Nach viel Gewinke und deutlichen Worten gab uns das blonde Lockenköpfchen, bis dato mit Rumstehen schwer beschäftigt, dann doch ein Glas. Meine Tischgenossin hatte jedoch den Fisch schon weggeputzt.
Na gut. Beim Beef waren wir schlauer: Als die Teller an den Tisch kamen, baten wir energisch – die Tischgenossin, ein beleibter, schreibender Anwalt sowie ein Prinz vom Geschlecht des Amadeus um Wein – und zwar Roten! Und er kam – fast schon im Takt. Ein schöner Burgenländer, „Kloster am Spitz“ hieß der Bursche, hatte m. E. ein paar Monate im Fass verbracht.
Doch dann kamen die nächsten Schwierigkeiten auf. Das Beef war auf den Kartoffelbrei gebettet und drohte bei jedem Schnitt in der Pampe zu versinken. Solch eine Konstruktion hätte der unbegabteste Statiker nicht durchgehen lassen. Dazu kam erschwerdend, dass das Zeug mit einer feuchtigkeitssaugenden Textur gesegnet war, dass man mit dem Trinken gar nicht nachkam. Plötzlich, ein Blick zu den Nachbarn zur Rechten: Die hatten Soße! Zwar nur ein minimalistisches Schälchen, aber immerhin (Und, wie sich später herausstellte, auch ein leckere!). Murren setzte ein, das langsam anschwoll. Ich bin inzwischen überzeugt, dass die Meuterei auf der Bounty seinerzeit zu vermeiden gewesen wäre, wenn man der Crew nur rechtzeitig Soße zum Beef gegeben hätte.
Auch Pfeffer und Salz wurde uns erst nach dem Ausstoß von wüsten Drohungen gewährt. Lweider eine leere Pfeffermühle.
Das blonde Lockenköpfchen wird mittlerweile von einen jungen Mann unterstützt, der einen hie und da tatsächlich wahrnimmt.
Muss er auch. Denn an Pfeffermühle und Salz ist Not, gibts auch erst nach flehentlichen Betteln. Lockenköpfchen beeilt sich schon fast.
Dann der Nachtisch: Fein!
Ein warmer Schokokuchen „in Tonkabohnensoße“. Tonka was? Egal. Schmeckt. Nur leider wird das fiese Kalorienzeug in scharfkantigen Blechdosen serviert, dass ich die RGF innerlich beglückwünsche, dass dieses Dinner nicht in den USA serviert wird.
Ich bin dann doch ziemlich zufrieden, weil der Kuchen so gut war, und die Leute am Tisch so nett. Und auch der Burgenländer hat mir gefallen. Ich hab noch einen Fingerbreit drin, und denk mir: „Scheiß drauf, nimm noch einen Kleinen!“ Und ich begehe einen folgenschweren Fehler: Ich bitte Blondschöpfchen ums Nachschenken. Fehler deswegen, weil der Nachschub korkt wie ein Parkett vom Praktiker. Grausen.
Ich geb auf – ebenso wie meine Tischgenossen.
Was lernen wir daraus? Zum einen, dass sich jemand, der als Caterer angefangen hat, eigentlich wissen sollte, dass guter Service das Rückgrat eines Dinners ist. Man sollte seine Bedienungen nicht unbedingt nach dem Blondheitsgrad casten, sondern vielleicht nach der Erfahrung, die schon ein bisschen über das Wodkaausschenken auf einem Astafest hinaus gegangen sein sollte. Das ist auch die große Schwäche der ganzen Lifestyle-Läden wie Nektar oder Nero, dass dort lauter Nachtgelichter arbeitet und vom fürsorglichen Umgang mit Gästen wenig Schimmer hat.
Zum anderen muss ich an dieser Stelle mal bemerken, dass mir das ganze Küchengekasper inzwischen gewaltig auf den Sender geht. Wer im „Kochduell“ viel Applaus kriegt, muss noch nicht unbedingt gut kochen können.
Das ist visuelle Unterhaltung, Leute!
Und ich brauche weder lautes Clubgedudel noch Zirkusgehampel beim Essen.
Ich will schmecken und mich unterhalten, und keine Reizüberflutung auf allen Kanälen.
Mir ist schon klar, dass Plogstedt das Kochen durchaus gelernt hat. Aber man muss sich heutzutage medial und originell vermarkten. Leider. Da „schreibt“ man ein Buch, tritt im Fernsehen auf. Und Die RGF hat – als Leibköche der Toten Hosen und der Ärzte einen Ruf zu verlieren. WelcheN? Nu, das ist die Frage.

Vielleicht ist das die Ursache, dass die Hosen und die Ärzte nur noch schlechte Musik machen.

Aus dem Mailaccount eines Büchergustls – Part 1

Januar 28, 2010

Liegt’s an der mangelnden Endkontrolle oder taugt das ganze Ding nix?
Kam grade per Mail reingeflattert:

Hallo!
Mein erstes Buch,das auf meiner neuntägigen survivaltour in Nordsumatra
basiert ist erscheinen (sic!).

H.J. Bauer*

(*Name geändert)

Auf Angaben über Titel und Verlag verzichtete der Absender selbstredend. Das nenne ich Selbstbewusstsein!

Keine Kufen für die, die sie schufen

Januar 22, 2010

Ja, ich geb’s zu: Es gibt Momente, da bedaure ich es schwer, nicht mehr bei einer Tageszeitung, respektive im Lokalen zu arbeiten. Jüngst geschehen, als ich mich zum Zwecke winterlicher Ertüchtigung und Belustigung ins Eisstadion vom Prinzregentenbad begeben wollte. Da ich ja inzwischen einiges in Sachen Lebensorganisation dazu gelernt habe und nicht wie ein Depp vor verschlossener Tür stehen wollte, besuchte ich zuvor die Homepage der Münchner Stadtwerke.
Doch was musste ich da zu meinem Schrecken lesen: Der gemeine Münchner, so er nicht Mitglied in einem Kati-Witt-Wannabe-Club oder in einem dieser Rabaukenverein der Eishockeyliga, braucht sich unter der Woche nach 16 Uhr gar nicht mehr dort blicken zu lassen. Kein Publikumslauf mehr abends, ausser Freitag, Samstag und Sonntag (und auch da haben sie eine halbe Stunde abgezwickt, nur noch bis 21:30 Uhr).

Bis 2008 gabs noch zwei Abendtermine (bis 22 Uhr), 2009 noch einen (bis 21:30 Uhr), jetzt keinen mehr (bis 15:30 bzw 16 Uhr).
Wie zum Hohn wird auf der SWM-Seite noch auf den Belegungsplan als pdf hingewiesen:

„In diesem Plan sehen Sie die Belegungen der Eislaufbahn durch Schulen und Vereine. Damit können Sie Ihren Eislauf-Aufenthalt optimal planen.“

Welchen Eislauf-Aufenthalt? Leute, ich bin berufstätig! Ich komm nie vor 18 Uhr aus dem Laden, eher 18:30 oder später! Was haben die SWM-Fritzen für Vorstellungen? Am Wochenende ist es dann rappelvoll, eine sportliche Runde kannst du da leider vergessen: Man stolpert eher über Pinguin-schiebende Kinder und ihrerseits stolpernde Rentner, das ist nix. Ausserdem: Am WE kann ich auch an den zugefrorenen See fahren.
Nun könnte man natürlich annehmen: Aha, städtisches Unternehmen, da hört der Duden auf, bevor beim Buchstaben „S“ das Wort „Service“ drankommt. Aber es ist anders:
Diese Servicefeindlichkeit hat einen wirtschaftlichen Hintergrund.
Ich hab – alter Beschwerdeführer, der ich nun mal bin – gleich beim Prinze angerufen. Ich hatte Glück, ich bekam nicht diese unwirsche Fette an den Apparat, die sonst Saunabesucher von einer Wiederholungstat abschreckt. Stattdessen erläuterte mir ein sehr freundlicher Herr K. mit unverkennbarem Balkanakzent, dass sich so einiges geändert habe, seit die SWM eine GmbH sei. Und es hätten schon etliche Leute angerufen und sich beschwert.

Aha, daher weht der Wind, schon schwant mir einiges. Die Vermietung an einen Verein, das ist eine sichere Sache, „a g’mahte Wiesn“, wie man so schön in Bayern sagt. Sich aber auf die Besucher zu verlassen bringt man mehr, mal weniger Einnahmen, je nach Wetter und Laune der Leute (wobei ich hier feststellen muss: Die Abende im Prinze waren immer voll!!). Da haben die Rechenbürscherl, diese Controller und Buchhalterzipfel, einfach mal eine kühle Rechnung durchgeführt und eine noch kühnere Entscheidung gefällt.

Denn in der Zeitung las man nichts dergleichen, auch bei der SWM stehen unter „Presse“ keine Pressemitteilungn drüber. Diese Samtpfotenleiserei hat ebenfalls ihren Grund:

GmbH hin oder her, der Laden ist immer noch ein städtisches Unternehmen. Oder? Wir als Steuerzahler haften, wenn der geschäftsführer mit der Kasse durchbrennt. Wir bezahlen mit unseren Steuern den Unterhalt und den Eismeister, ganz zu schweigen den Bau vom Prinzebad: Den haben wir Berufstätige komplett bezahlt. Und dann sollen wirs noch nicht mal nützen dürfen?

Werden künftig die Kammerspiele auch nur noch an Betriebsgruppen von Siemens und BMW vermietet, und spielen dann auch nur noch die Mainstream-Stücke, die richtig ziehen? Werden von der Stadtbibliothek auch nur noch Stephen King statt Herta Müller, und die kriegt man dann auch nur, wenn man sie least?
Ich gebs zu: Ich ärger mich sehr. Da flackert der Sozialist in mir wieder auf. Das ist nicht in Ordnung. Ich hab jetzt eine Facebook-Gruppe gegründet (Die Eisbahn im Prinze ist für alle da – auch für Berufstätige, da dürft ihr gerne beitreten!!!) und versuch jetzt da ein paar Hebel zu ziehen. Und weil ich schon mal so böse bin: Ich hab mir von den SWM-Dieben SWM-Brüder schon jahrelang das Geld für ihren überteuerten Strom aus der Tasche ziehen lassen, aber jetzt reicht’s, meine Herren!
Grrrr!!

Meine Vorsätze

Dezember 23, 2009

An dieser Stelle vielleicht mal etwas Persönliches.
Denn am Jahresende macht man sich doch immer ein paar Gedanken, mehr noch als sonst, wie der ganze Zirkus hier weitergehen soll.
Auslösend dafür war bei mir eine Mail, die ich vor wenigen Tagen erhielt. Darin fragte mich eine gewisse Dr. Austina Gastig ganz unverblümt: „Sind Sie zu dick?“ Ich, ob dieses unhölflichen Einstiegs der Korrespondenz ungehalten, wollte schon an ihre russisch klingende Adresse antworten und protestieren, bis mir einfiel:
Diese Frau Dr. Garstig hat recht mit ihrem Vorstoß.
Anfang Mai hatte ich mir meine Schulter operieren lassen, und was bis dahin an einstigem sportlichen Ehrgeiz noch nicht verloren war (ich war mal richtig fit, hui!), wurde durch mangelhafte Mobilität erstickt. Ich habs wirklich mal probiert, im Juli im Schyrenbad, ehrlich wahr. Das sah so jämmerlich aus, wie beim Marathonlauf der Einbeinigen, dass ich abbrach.
Aber nun krieg ich ihn wieder hoch, den Arm, und weh tut es fast gar nicht mehr. Großes Ziel also: wieder sportlich sein. Was mir dabei entgegen kommt: Thorsten und Katja brechen ihren Landlust-Wohnversuch wieder ab und ziehen wieder nach München – da hab ich meinen Joggingpartner wieder!
Zweites Vorhaben: essen. Aber anständig. Kein Convenience-Food mehr, wenns geht (das hat mir zudem die doofe Pizza, die ich vor zwei Tagen erstand, auch vergällt: Die Dr. Oetker gibts im Discounter ums Eck nur im Doppelpack. Kauf ich sonst nicht, da ich kein Tiefkühlfach hab. Dieses Mal wegen Tiefsttemperaturen doch, um die zweite auf den Balkon zu legen. Doch dann kam der Föhn..). Und auch generell Discounter vermeiden.Früher war das leichter, doch seit sie uns hier in O’giesing den Hertie zugesperrt haben, tu ich mich schwer, einen anständigen Laden zu finden: wo ich politisch korrekte Milch (Berchtesgadener Land) kriege, richtig gutes Steak (Oberbayr. Weiderind von Edeka) und gutes Gemüse. Letzters kommt ja eh aus dem eigenen Garten, aber da muss in diesem Jahr ein wenig wirtschaftlicher die Bebauungsfläche geplant werden!
Und mehr Geld, möchte ich fast hinzufügen: Der Zimmerer und der Architekt haben mir zum Jahresende noch einen deftigen Gruß verpasst. Aber finanziell ist wohl grade nicht viel zu holen: Deutschland hat eine fette Inlandsverschuldung, die Konjunkturlokomotive wird, so sie denn den Berg keuchend hinaufkommt, noch eine Menge Kohlen verheizen.
Aber vielleicht das wichtigste Vorhaben: nicht mehr aufregen. Entspann dich, Herr Koarl! Und regt mich irgendwas mal wieder total auf, dann schreib ichs einfach hier rein.
In diesem Sinne: Prost!

Spa jeder Vernunft

Dezember 16, 2009

Jüngst ereilt mich doch die Kunde, dass im Tannheimer Tal, dem Ort meines journalistischen Tiefpunkts*, nun „Wellness für Kinder“ angeboten werde. Es gäbe im „Tanni-Club“, so wird berichtet, allerlei Körper- und Gesichtsbehandlungen für die Kids, fast wie für die Großen: etwa die „Elefantenohrenmassage oder die Braunbärenmaske“.
Sinn und Zweck, erklärt die Pressemitteilung, sei:

So trocknet die Kinderhaut nicht aus, wird feiner und kleine Pickelchen oder Hautirritationen heilen ab. Bei der Elefantenohrenmassage massieren sich die Kinder gegenseitig die Ohren. Das dafür verwendete Zitronenöl regt die Denk- und Konzentrationsfähigkeit an.

Wellness für Kinder? Ja Herrgott. Lass mir doch bittschön die Kurzen in Ruhe!

Ich habe noch kein Kind erlebt, dass unter „Pickelchen“ gelitten hätte (zumindest bis zur Pubertät). Und wenns denn Hautirritationen gibt, wäre eine medizinische Beratung oder ein Hausmittel wohl besser angebracht, als ein semiprofessioneller Schlammklatscher. Wenn der Rotzlöffel in der Schul nicht gescheit aufpasst, dann liegt es vielleicht daran, dass ihn etwas anderes mehr beschäftigt?
Ich will jetzt mit meinen mahnenden Worten – bei Gott nein! – nicht etwa zur angeblich heilenden Watschn raten. Aber bestimmt auch nicht zu einer Ohrwaschelmassage.

Worums geht in Wahrheit? Das Konzept der Kinderfreundlichkeit, das im Hotelgewerbe leider nur sehr selten mit dem Wellnessgedanken vereinbar ist (löbliche Ausnahme: Schloß Ellmau), mit selbigem Wellnesskonzept zu kreuzen. Denn normalerweise wollen Spa-Freaks ihre Ruhe, bitte keine rumturnenden, krakelenden Dreikäsehöcher. Wenn die Plagen aber dann selbst beschäftigt sind, frühzeitig mit Pedi-, Mani- und vielleicht noch Nasenhaarküre vertraut werden, geben sie vielleicht endlich Ruhe.
Damit sind die Tannheimer beileibe nicht die einzigen, die diesen Trend aus USA verfolgen. Das Hotel Maritim in Titisee-Neustadt setzt mit seinen Schokobehandlungen auf Beautywellness für gschleckerte Achtjährige, das Sporthotel Stock in Finkendorf (A) bietet in seinem „Girls-Paket“ (85 Euro) unter anderem „Maniküre mit Lack sowie eine Gesichtsbehandlung mit Pflegetipps“. Denn, so die Österreicher, „auch Kinder stehen unter Stress und Leistungsdruck“, daher sollten sie im Urlaub auch ein bisschen Wellness genießen dürfen.
Merken die nicht, dass Kinder mit diesen Dingen erst unter Druck gesetzt werden?

Ich selber bin ja großer Wellnessfan. Aber solche Ideen degradieren uns Menschen zu reinen Marketingobjekten, ab der Windel wird man als Konsument wahrgenommen.
Nix dagegen, wenn es den Kids Spaß macht, sich Schlamm ins Gesicht zu schmieren. Von mir aus auch Schokolade. Aber dafür brauch ich kein „Kinderwellness“. Was kommt als nächstes? Das „Büro für Kinder“? „Pornos für Kinder“?
Kinder sind keine zu klein geratenen Erwachsenen – die haben ihre eigenen Bedürfnisse und Spiele. Und das mit dem Erwachsenwerden – mit all seinen Rechten und Pflichten – kommt ohnehin heute viel zu früh. Leider.

Ich hätte große Lust, mal wieder ganz primitiv campen zu gehen, übrigens.
DAS etwa hab ich als Kind innig geliebt!

* Tannheimer Tal: die einzige Pressereise meines Lebens, die ich frühzeitig abbrach und aus Mitleid nicht berichtete, passierte etwa 2006 in Begleitung der Kollegen Rumpf und Braunschläger. Ausgesprochen unfreundliche Unterbringung in einem Haus, wo ab 19 Uhr der Aufzug abgeschaltet wurde und es das lausigste Frühstück westlich des Rio Bravo gab (Wir haben uns revanchiert, indem wir nachts den Hausflur und die Gänge umdekorierten, was zur allgemeinen Vewirrung des Personals führte).
Als Höhepunkt wurde uns – im Namen der Gemeinde – als Stargast der gescheiterte und durchgeknallte Langläufer Johann Mühlegg präsentiert, der aus seinem Weihwasserkessel plauderte. Dann wollte der Langlaufathlet uns Journalisten noch seine Autobiografie andrehen, seine Mutter höchstpersönlich lief mit der Geldkassette rum und kassierte. Ich habe verzichtet.