Letzten Herbst saß ich vor meiner alten Plattenkiste und dachte nach. All die schönen Platten, irgendwas um die 300 Stück. Meine ganze Jugend, gepresst in (überwiegend schwarzes) Vinyl! Wenn ich mich recht erinnere, war die erste Platte, die ich mir kaufte, von J. J. Cale, und die letzte ein Doppelalbum von den Beastie Boys ( “Check your head”, glaub ich, na, da wo sie halt richtige Instrumente spielen) Oder war’s eine von Hery Rollins?.
Und dieser Schatz ist für mich, als MP3- und CD-User inzwischen nicht mehr zugänglich. Extrem tragisch.
Na denn. Das sollte sich bald ändern.
Ein bisschen Recherche und ein zufälliges Gespräch mit einer Kollegin: EIn Braun-Gerät sollte ins Haus, beschloss der Herr Koarl. Entworfen von Dieter Rams. Aber nicht den klassischen, alten “Schneewittchensarg”. Sondern das feine Audio 2 (Ende 60er Jahre), das das Stereomöbel-Zeitalter à la Max Grundig beendete und das Hifi-Zeitalter einleitete.
Bald darauf hab ich eines dieser hübschen Geräte bei einem jungen Mann aus Neuhausen gegen eine Flasche anständigen Calvados eingetauscht: Ohne Boxen, dafür mit dem so genannten “Känguru-Tisch”. Gewicht: 20 Kilo.
Ist schon recht schick, oder? Von der Seite sieht es so aus:
Der junge Mann wies mich drauf hin, dass ein Kanal nicht ginge. Als ich dann das Gerät angeschlossen hab, ging dann leider gar nix.
Endstufen-Sicherungen ausgetauscht. Das Signal kam in den – mittlerweile für 20 Euro erstandenen original Braun-Boxen – an. Aber flüsterleise. So ein Mist.
Was mich aber schon mal enorm beeindruckte: Ich hab den Kasten aufgemacht, und innen sah er aus, wie gerade erst zusammengebaut. Kein Stäubchen drinne.
Na gut, hier musste ein Profi ran. Der trat in meine Leben, nachdem ich in einer Internet-Anzeige um Hilfe bat. Ein Braun-Freak, der mir in seinem Häuschen in Moosach das Ding tatsächlich reparierte: DIe Elkos (also Kondensatoren) waren ausgetrocknet. Es lief zwar ein bissel kompliziert (ich musste drei Mal hinfahren, weil der Typ jedes Mal irgendwas vergaß). Aber mittlerweile haben wir in der Stube Vinyl-Stereosound.
Knisterknisterknister!
Die Plattenarm-Rückführungsautomatik geht zwar leider nicht, auch bumpert die eine Box ein wenig, aber ich kann wieder eintauchen in das Meer meiner akustischen Musik. Frau Jule gefällts zu meiner Freude auch.
Best Experience letzte Woche: “The Cure: Boys do’t cry”. Sag mal, hättet ihr gedacht, dass die dieses Album schon 1979 rausgebracht haben?? Klingt unglaublich frisch, nicht so überproduziert.
Übrigens: Mittels eines Adapters kann ich jetzt auch meinen EierPod an das Ding anstecken. Aber Platten klingen weitaus interessanter!
Tags: Audio 2, Braun, Dieter Rams, Platten, Vinyl



Juni 18, 2010 um 8:01 am |
Moin Moin Klaus,
das klingt doch prima. Platten aus der Verstaubung retten und dann haben die gleich so einen stylischen Auftritt. Und das The Cure schon vor mehr als 30 Jahren den Araber wegpusten wollten, weitsichtig, weitsichtig. Aber wenn mich mein Spatzenhirn nicht täuscht, ahben sie sich mit diesem Song nur auf eine Camus-Erzählung, ich glaub der Fremde. Ich hoffe bei Dir geht alles seinen Gang. Hier groovt es sich langsam ein, aber ein Persönchen mehr und schon ist der Rhythmus etwas gestört. Ich meld mich am Montach mal bei Dir uff Schicht per Telefon. Dir nen stressfreien Freitach und ein geruhsames Wochenende mit viel Knistern
Dr Rock
Juni 18, 2010 um 8:23 am |
rightyright, camus war schuld. aber die beiden besten songs darauf sind immer noch “Someone else’s Train” und “Fire in Cairo”.
Dacht mir schon, dass ihr schwer beschäftigt seid….ja meld dich, werd Montag für Brian J. die Fragen vorbereiten. Auf sein Kornzert werd ich nicht gehen können, keine Zeit, Alder.
Greetz, da Koarl